Tuscany Trail 2023 — 480 km, 6.600 Höhenmeter, 4 Tage

Unsere Bilanz

Strecke gemeistert, Knochen heil, Kopf voller Bilder. 480 km Strade Bianche durch die Toskana in 4 Tagen. Drei echte Outdoor-Erkenntnisse, zwei Ausruestungs-Entscheidungen, die wir 2026 ändern werden, und ein Highlight, das den Aufwand rechtfertigt.

Gesamtdistanz
480 km
Höhenmeter
6.600 m
Tage
4
Gepäck
~9 kg
Nächte Zelt
2
Nächte Hotel
2
Tuscany Trail 2023 - 10th Edition Logo
Das erste Mal Tuscany Trail für beide von uns.

Wie wir dazu gekommen sind

Nach zwei Saisons Bikepacking im Voralpenland (Isar, Kirchsee, Karwendel) war der Schritt zu einem echten Self-supported-Event naheliegend. Die Wahl fiel auf den Tuscany Trail — wegen der Größe der Community, der Reputation der Strecke und der Tatsache, dass es kein Podest gibt. Kein Druck, nur die Erfahrung.

Der Plan vs. die Realitaet

Was wir geplant hatten

Was wirklich passiert ist

Tag 1 (Mittwoch): 140 km gefahren statt 120, weil der erste Anstieg schneller ging als erwartet. Euphorie-Effekt.

Tag 2 (Donnerstag): Mittagshitze (35 Grad) hat uns eingeholt. Von 11 bis 15 Uhr Siesta im Schatten einer Zypressen-Allee, dann Abend-Etappe bis 21 Uhr. Statt 120 km nur 95.

Tag 3 (Freitag): Bester Tag. 135 km, stetige Anstiege, abends in einer Agriturismo mit Pasta und Chianti. Hätte man verfilmen müssen.

Tag 4 (Samstag): Lange Abfahrt zur Küste, dann Flachstueck gegen starken Wind. Ziel um 18:30 Uhr erreicht.

Was hat gut funktioniert

Die Navigation

Wahoo Elemnt Roam mit vorab geladener GPX-Datei. Akku hält 17+ Stunden, Offline-Karten laufen zuverlässig. Einmal pro Tag in einer Bar kurz aufladen (USB-C), das reichte. Ride-Navigation mit Turn-by-turn an T-Kreuzungen war Gold wert — auf Strade Bianche verpasst man Abzweigungen leicht.

Das Taschen-Setup

Apidura Backcountry 3-Teile-Set (Saddle, Frame, Handlebar). Keine Scheuerstellen am Lack, alles trocken trotz einer Stunde Regen am Tag 3. Kleiner Toptube-Bag für Riegel und Smartphone hat sich bewährt — schneller Zugriff ohne Absteigen. Mehr dazu im Taschen-Vergleich.

Der Schlaf-Mix

2 Zeltnaechte + 1 Campingplatz + 1 Agriturismo = perfekte Balance. Zelten für das Outdoor-Feeling, Dusche und richtiges Bett alle 2 Tage für Recovery. Mit dem MSR Hubba Hubba 2P und Therm-A-Rest Vesper Quilts waren die Zelt-Nächte comfortabel.

Was wir 2026 anders machen

Mehr Wasser-Reserven

Am Tag 2 hatten wir um 14:00 zusammen nur noch 500 ml Wasser bei 32 Grad und 3 km Anstieg vor uns. Unnoetig. 2026: zusätzlicher Cargo-Cage an der Gabel mit 2 L Reservoir-Flasche. Plus: Wasserquellen-Map vorab offline machen (iOverlander + Komoot-POI).

Kettenpflege

Nach 480 km Schotter war die Kette komplett durchgenudelt. Wir haben sie nur am Abend gereinigt — zu selten. 2026: Mittagspause = Kette abwischen und nachoelen. Alle 150 km Kettenverschleiss messen. Wachs statt Öl erwaegen (Squirt, Silca Super Secret).

Ein Highlight, das den Aufwand wert war

Tag 3, kurz vor Sonnenuntergang, auf einem Kamm zwischen Montalcino und San Quirico. Sanfte Hügel in alle Richtungen, im Licht der Goldenen Stunde, kein Auto, kein Handyempfang, nur wir und zwei andere Bikepacker, die aus der entgegengesetzten Richtung kamen. 15 Minuten Stop, ein paar Fotos, dann weiter. Diese Momente sind es, wofuer man Bikepacking macht.

Unsere Empfehlung für 2026

Wenn Du 2026 zum ersten Mal überlegst: mach es. Für Erstteilnehmer die Newbie-Route (160 km) — bietet die Tuscany-Trail-Erfahrung im Kompakt-Format. Für Erfahrene: Classic (440 km) mit 5 Tagen Puffer. Alle Details zur 2026er Edition: Tuscany Trail 2026 Guide.

Häufige Fragen zu unserer 2023er Teilnahme

Ja. Die Hitze (über 30 Grad an 3 von 4 Tagen), die Länge der Anstiege und der Zustand mancher Strade Bianche (tiefer Schotter) haben uns mehr Kraft gekostet als gedacht. Rein nach Höhenmetern und Distanz war es auf dem Papier machbar — real war die Mischung anspruchsvoll.

Georg mit einem Specialized Diverge Gravel-Bike (42 mm Reifen), Jan mit einem Cube Nuroad (40 mm). Beide mit Apidura-Taschen-Set (Sattel, Rahmen, Lenker). Die Reifenbreite war gut gewaehlt — alles unter 40 mm hätten wir in den tiefen Schotter-Passagen nicht gewollt.

Mix: 2 Nächte im Zelt (MSR Hubba Hubba 2P, wild in der Nahe von Dörfern), 1 Nacht in einer Agriturismo (vorab gebucht, ca. 80 EUR für 2), 1 Nacht auf einem offiziellen Campingplatz. Fazit: die Mischung war gut — eine warme Dusche alle 48 Std. haben wir gebraucht.

Die Navigation mit Wahoo Elemnt Roam (Akku hält 17+ Std., Offline-Karten genial). Das Zelt-Setup (schnell auf/abgebaut). Die Apidura-Taschen (keine Scheuerstellen, alles trocken). Und das Ruhepensum: alle 4-5 Std. 20 Min. Pause mit Espresso in einer Bar.

Zu wenig Wasser dabei am 2. Tag — wir haben den Abstand zwischen Dorf-Brunnen unterschaetzt. Kettenverschleiss war höher als erwartet (nach 480 km Schotter war die Kette fertig). Und: Sonnencreme nicht oft genug nachgecremt — Georg hatte am Ende einen Sonnenbrand am Nacken.

Absolut. Der Tuscany Trail ist einer der schönsten Bikepacking-Routen Europas. Die Kombination aus Landschaft, Strade Bianche und der Spontaneitaet der Self-supported-Community ist einmalig. Für Erstteilnehmer: lieber mit etwas mehr Puffer planen (5-6 Tage statt 4) und die Newbie-Route in Betracht ziehen, falls es 2026 das erste Mal wird.